Wer seinem 60. Geburtstag noch entgegensieht, der betrachtet dieses Datum wahrscheinlich mit gemischten Gefühlen: Mit dem dritten Lebensabschnitt scheinen die besten Jahre vorüber. Doch wer diesen Tag schon hinter sich hat, beurteilt das eigene Alter mit mehr Gelassenheit – und bewertet es meist positiver.

  • Das Beste kommt erst noch
  • Neue Perspektiven finden
  • Wider die Verklärung: die so genannten Jungen Alten
  • Das Beste kommt erst noch
    Fragen Sie einmal die Dreißigjährigen, ob Sie gerne wieder zwanzig wären. Sicher nicht, werden Sie hören. Natürlich, die Haut ist mit zwanzig straffer. Man tanzt die Nacht durch und ist am nächsten Tag trotzdem fit. Aber in dieser Zeit kämpft man auch mit viel Unsicherheit, ist von Gefühlseinbrüchen überwältigt und schlägt sich mit Zweifeln herum, ob sich alle gesteckten Ziele erreichen lassen.
    Wenn Sie dieses Spiel für die letzten dreißig Jahre durchexerzieren, dann werden Sie feststellen: Die so genannten besten Jahre waren vielleicht glückliche, aber beileibe nicht die schönsten. Ganz gleich, welchen Schwerpunkt Sie bislang in Ihrem Leben gesetzt haben, die Ansprüche an Sie waren groß. Denn für die meisten von uns steht in diesem Zeitraum die Pflichterfüllung im Vordergrund: arbeiten, sich für andere zurücknehmen, gegen Widerstände ankämpfen.
    Mit Sechzig haben Sie erreicht, was Sie erreichen konnten. Jetzt dürfen Sie wieder mehr an sich selber denken. 

    Neue Perspektiven finden
    Vielleicht gehören Sie zu den Wenigen, die die Tage bis zum Ruhestand zählen, um endlich alles tun zu können, wofür nie Zeit war. Dann wähnen Sie sich glücklich, und freuen Sie sich Ihres Lebens.
    Doch die Gruppe derjenigen, bei denen diese neue Freiheit Ängste auslöst, ist sehr viel größer. Wird es gelingen, den Ruhestand sinnvoll zu füllen, Gleichgesinnte und neue Herausforderungen zu finden?
    Auch in puncto Partnerschaft kommen Ängste auf. Denn das Mehr an Zeit verändert das Beziehungsgefüge fundamental.
    Sie federn Ihren Sprung ins Ungewisse etwas ab, wenn Sie die Zeit nach der Pensionierung ein wenig vorplanen. Verziehen Sie sich dazu nicht ins stille Kämmerlein. Schmieden Sie Ihre Pläne lieber gemeinsam mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder guten Freunden: So wissen Sie, mit wem Sie rechnen können. 
    Wider die Verklärung: die so genannten Jungen Alten
    In den letzten Jahren rückten die Senioren ins Blickfeld von Medien und Werbung. Folgerichtig entwarfen Sie ein Bild, das diese Generation ganz schön unter Druck setzen kann: Es zeichnet die so genannten Jungen Alten, die kerngesund und immer strahlend jedes Problem bewältigen, die Rock’n‘Roll statt Slow Fox tanzen und auch sonst vor keinem Abenteuer zurückschrecken. Natürlich sei es jedem gegönnt, sein Leben ohne Einschränkung zu genießen. Doch das Konstrukt vom Jungen Alten heißt im Umkehrschluss leider auch: Wer nicht immer mit sich im Reinen ist und jeden Trend mitmacht – der hat etwas falsch gemacht oder gar versagt. Und das dürften die allermeisten Senioren sein.
    Viel wichtiger als exotische Hobbys ist es, in jedem Wortsinn aktiv zu bleiben. Gehen Sie regelmäßig raus aus Ihren vier Wänden und versuchen Sie, sich für jeden Tag etwas Schönes vorzunehmen. Brechen Sie aber auch hier nichts übers Knie. Wenn Sie Sport treiben, dann vor allem mit Spaß. Öffnen Sie sich für neue Meinungen und Strömungen, aber lassen Sie sich nicht einreden, Ihre Überzeugungen seien von gestern. Sie werden sehen: Nichts macht Sie zufriedener, als im Einklang mit Ihren Erfahrungen und gewachsenen Werten zu leben.
    Vielleicht haben Sie Lust, Ihren Ruhestand mit einer Fernreise einzuläuten, oder Sie fangen das Vakuum der ersten Wochen mit einem Kurs an der Volkshochschule oder einer Hochschule auf. Wenn sich Gleichgesinnte nicht von alleine einfinden, dann suchen Sie sie eben: in Vereinen, Foren oder per Inserat.
    Insbesondere nach einem ausgefüllten Berufsleben fällt es vielen schwer, auf Annerkennung durch Dritte zu verzichten. Hier kann ein Ehrenamt die Lösung sein, soziales Engagement oder Mithilfe in der Familie – vorausgesetzt, sie wird wahrgenommen und honoriert. Auch manche Hobbys wie Theaterspielen oder Musizieren bringen Sie wieder ins Rampenlicht.
    Trotzdem: Auch mit guter Planung kann der Weg in das 3. Leben etwas holprig geraten. Trösten Sie sich damit, dass diese Schwierigkeiten eher die Regel als die Ausnahme sind. Versuchen Sie, viel Geduld für sich selbst und Ihren Partner aufzubringen: Ihr Partner kämpft nicht gegen Sie, sondern gegen seine persönliche Situation.